CCS- Kopfschmerz/ Migräne- Konzept

Weltweit liegen laut der World Health Organisation Kopfschmerzen unter den 10 Erkrankungen mit den stärksten funktionellen Beeinträchtigungen. Kopfschmerzen werden in primäre und sekundäre Formen eingeteilt. Migräne und Spannungskopfschmerzen, die für die meisten Kopfschmerzen verantwortlich sind, gehören zu den primären Kopfschmerzarten. Ca. 4 % einer Erwachsenenpopulation hat 15 Tage pro Monat oder mehr Kopfschmerzen.

Mit dem CCS- Konzept (Craniocervicale Syndrome- Konzept) werden nach einer ausführlichen Befragung vielzählige kopfschmerzauslösende Regionen und Strukturen systematisch untersucht.

Warnsignale und Risikofaktoren werden ermittelt, die Kopfschmerzart(en) werden weitestgehend klassifiziert und kopfschmerzbeeinflussende Faktoren evaluiert. Im Untersuchungsgang werden vaskuläre, neuromuskuloskeletale, okuläre, vegetative, vestibuläre und kinästhetische Systeme getestet: Viele Rezeptorenaktivitäten spielen für das Entstehen von Kopfschmerzen eine Rolle und ebenso deren Informationsaustausch. Wie verhält sich die Augenbewegung während einer Drehbewegung des Kopfes? Wie werden Signale aus der Wirbelsäule mit Signalen von Hirnnerven vermischt und weitergeleitet? Sind Augen- Gleichgewichtsreflexe intakt? Funktioniert die kinästhetische Wahrnehmung? Arbeiten die neuromuskuloskeletalen Systeme koordiniert zusammen?

Geschichten von Patienten mit Kopfschmerzen/ Migräne

Frau Sybille M. (38 Jahre, Architektin) leidet unter Spannungskopfschmerzen und führt dies auf einen Reitunfall vor 21 Jahren zurück, wobei sie vom Pferd stürzte und mit dem Kopf auf den Asphaltboden ohne Helm aufschlug. Eine Stauchung von Kopf, Hand und Kreuzbein wurde diagnostiziert und Frau M. bekam 2 Wochen Bettruhe verschrieben. Der Familie wird ausserdem ein `Kopfwehgen` nachgesagt: Mutter und Grossmutter leiden ebenso unter Kopfschmerzen.

Skifahren und Autofahren (besonders als Beifahrerin) kann Frau M. sehr schlecht vertragen und löst die Beschwerden aus und geht mit einer starken Übelkeit einher. Bei der Untersuchung durch den CCS- Kopfschmerz- Therapeuten stellt sich eine Blockierung der obersten zwei Halswirbelsäulenwirbel wie auch eine Gleichgewichtsstörung heraus. Da die Rezeptoren der oberen Halswirbelsäule eine Verbindung zum Gleichgewichtsorgan wie auch über eine nervale Verbindung zum Magen haben, sind Anamnese und Befund stimmig. Dies muss in jedem Untersuchungsgang und bei der nachfolgenden adäquaten Behandlungsstrategie vom CCS-Kopfschmerztherapeuten reflektiert und erklärbar für den Patient gemacht werden. In einer vollumfänglichen Testbatterie werden alle Funktionen des Gleichgewichtssinnes im Zusammenhang mit der Augenmotorik, der Hörfähigkeit, der kinästhetischen Wahrnehmungsfähigkeit und den Bewegungen der Halswirbelsäule untersucht. Nach Mobilisationen der Wirbelgelenke wird ein Gleichgewichtstraining aufgrund der resultate der Testbatterie zur Belastungssteigerung der Gleichgewichtsrezeptoren initiiert, sodass die Beanspruchung dieser Systeme gesteigert wird und Frau M. diese beim Ski- und Autofahren wieder benutzen kann.

Frau Andrea L. (29 Jahre, Frisörin) beschreibt ihre Migräne wie folgt: der Schmerz ist pochend, kaum aushaltbar und manchmal könnte sie sich das linke Auge ausreissen. Ausserdem empfindet sie eine hohe Spannung im Nacken. Die Migräne besteht seit der Pubertät und auch ihre Mutter, Tante und Cousine leiden unter Migräne. Es scheint wie ein Fluch zu sein, den man nie losbekommen wird. Im MRT sind keine Auffälligkeiten zu sehen. 3-8x pro Monat nimmt Frau L. seit 6 Jahren Triptane (Migränemedikament), die ihr von einem Kopfschmerzzentrum verordnet worden sind. Wenn die Attacke heftig ist, wirkt das Medikament maximal einen Tag. Nun hat sie durch Empfehlung von einem CCS- Therapeuten erfahren und möchte diesem Behandlungsansatz noch eine Chance geben. Der CCS- Therapeut befragt sie nach allen eventuell beeinflussenden Faktoren. Häufig werden die Faktoren Stress und Hormone als Hauptauslöser von Migräne gesehen. Es gibt jedoch viele weitere Faktoren, die ungünstig wirken können und das sogenannte `Kopfschmerzfass` füllen bis es mit einem Glas Rotwein, einem Stück Käse, einer hormonellen Veränderung o.ä zum Überlaufen gebracht wird und dann eine Attacke auslöst. Ziel ist es, diese Faktoren zu entlarven und mit deren Reduzierung das `Kopfschmerzfass` zu leeren.

Frau Marianne B. (35 Jahre, Stewardess) leidet seit ihrem 16. Lebensjahr an Migräneattacken. Laut Angabe der Patientin hatte die Mutter häufig auch Kopfschmerzen mit einer Übelkeit gepaart. Über die Jahre versuchte sie die Schmerzen mit Medikamenten (Schmerzmittel und Migräne-) sowie mit Akupunktur, Craniosakraltherapie und Chiropraktik unter Kontrolle zu bekommen. Dies führte teilweise zu einer kurzfristigen Linderung, sie fiel jedoch immer wieder in ein altes Schema. In der Anamnese stellt sich heraus, dass sie auch an einer Problematik der Lendenwirbelsäule leidet. Insbesondere wenn sie lange stehen muss, langsam geht (schlendert) oder länger im Bett liegt. Dann muss sie bereits in den frühen Morgenstunden aufstehen und sich bewegen.

Die Kopfschmerzen werden in der Schläfen- Stirn- Halswirbelsäulenregion als pochend aber auch ziehend/ dumpf angegeben, bei Föhnwetterlage verstärken sie sich. Eis, Tigerbalsam und eine Gabe Schmerzmittel (bevor die Attacke vollumfänglich ausbrechen kann) lindern den Schmerz zur Zeit kurzfristig. Bei ihrer Tätigkeit als Stewardess (Druckunterschied in der Höhe) wie auch in der Schwangerschaft (hormonelle Schwankungen) veränderte sich die Kopfschmerzsymptomatik nicht. Nach der umfassenden Anamnese durch den CCS-Kopfschmerztherapeuten wird eine genaue körperliche Untersuchung durchgeführt. Sowohl in der Lendenwirbelsäule wie auch in der Halswirbelsäule zeigen sich symptomgebende Instabilitäten, bei dessen Provokationen sowohl die Rückenschmerzen als auch die Kopfschmerzen reproduziert werden können. Um eine nachhaltige Verbesserung der Symptomatik zu erreichen, wird Frau B. gezielt in einem funktionellen Trainingsprogramm instruiert. Auch wird ihr erklärt, dass die Symptomatik nicht von heute auf morgen verschwinden wird. Der CCS- Kopfschmerztherapeut hat hier die wichtige Aufgabe, mit dem Patienten einen durchführbaren, persönlichen Therapieplan zu entwickeln, der gezielt und effektiv auf eine Symptomreduktion hin arbeitet.