CCS- Schleudertrauma- Konzept

Unter einem Schleudertrauma, auch Beschleunigungstrauma, HWS-Distorsion oder im Englischen Whiplash Injury genannt, versteht man die Symptome die in der Regel auf einen Verkehrsunfall folgen können. Dieser Begriff wurde erstmalig 1928 von Crowe in San Francisco benutzt und in den darauffolgenden Jahren bis heute viel diskuitert….

Definition: „ Das Schleudertrauma ist eine Weichteilverletzung im Bereich der Halswirbelsäule und tritt durch rasch aufeinander folgende, entgegengesetzte Bewegungen des Kopfs auf. Die Weichteilverletzungen reichen von meist einfachen Muskelzerrungen bis zu Bänder- und Bandscheibenzerreißungen.“

Die widersprüchlichen Exkurse liegen auch in den verschieden erörterten Pathomechanismen. Evident ist, dass ein Schleudertrauma ein Komplex aus diversen physischen und psychischen Manifestationen sein kann, woraus eine Chronifizierung entstehen kann, der man im Frühstadium entgegen wirken sollte. Mit bildgebenden Verfahren lassen sich die entstandenen Verletzungen eventuell nicht nachweisen.

Mögliche Ursachen der Symptomatik

Durch die unterschiedlichen Symptompräsentationen der Betroffenen ist eine umfassende Untersuchung notwendig. Es werden verschiedenste Strukturen beschrieben, die verletzt worden sein könnten und die dementsprechend unterschiedliche Behandlungsansätze bedürfen. Meist liegen folgende Symptome vor:  Nackenschmerzen, Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Vegetative Beschwerden, rasche Ermüdbarkeit (bei 50 – 100 %) der Betroffenen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Rückenschmerzen, Reizbarkeit, Verschwommenes Sehen Hörstörungen, Tinnitus, Schwindel und Weitere bei 10 – 50% der Betroffenen.

In den verschiedenen Stressbewegungen, die während des Schleudertraumas auf die Halswirbelsäule ausgeübt werden, können Muskeln, Bänder; Nerven, Gelenke und Bandscheiben verletzt werden. Nach Vorstellung verschiedener Experten sollte nach 6 Wochen eine Tendenz zur Besserung gegeben sein. Verschiedene Betroffene leiden wesentlich länger unter den Folgen, dadurch kann eine gewisse Frustration und ein „Unverstanden sein“ ausgelöst werden.

Was macht der CCS- Schleudertrauma- Therapeut?

Nach der eingehenden individuellen Untersuchung wird ein adäquater Behandlungsplan erarbeitet um betroffene Strukturen zu erkennen und um dann stets im weiteren Verlauf erneute Anpassungen der therapeutischen Interventionen   vorzunehmen. Manualtherapeutische Massnahmen mit aktiven und passiven Elementen, Hilfe zu Adaptationen im Alltag, Einschätzungen der Beschwerden und die Aufklärung des Patienten stehen dabei im Vordergrund.

Geschichten von Patienten mit einem Schleudertrauma

Die 42 jährige Frau Sarah R. (Graphikerin) erlitt im Jahre 1995 und 2006 bei einem Autounfall ein Schleudertrauma. Von hinten fuhr ein Auto bei stehender Kolonne in sie hinein. Das MRT war unauffällig ausser einer minimalen Veränderung der unteren Halswirbelsäule. Nach einer langjährigen Reihe von Behandlungen (Schmerzmittel, Physiotherapie, Akupressur/ Akupunktur/ Atlastherapie, Medikamente für Nervenschmerzen) wurde Frau R. von ihrem Orthopäden zu einem CCS-Therapeut überwiesen. Dieser untersucht nach dem CCS-Kopfschmerz-Prinzip alle verantwortlichen Systeme und erfragt genauestens die Problematik. Dies ist für die weitere Behandlung und den Verlauf absolut notwendig.

Der Hauptkopfschmerz von Frau R. liegt am Hinterkopf und in beiden Augen, wie auch an den Schläfen. Dort verspürt Frau R. einen Druck. Als Begleiterscheinungen gibt sie Schwindel und Übelkeit an, ausserdem teilweise Taubheitsgefühle des kleinen Fingers und des Ringfingers.

Bei der körperlichen, detaillierten Untersuchung können die Kopfschmerzen, lokalisiert in Augen und Schläfen provoziert werden mithilfe von spezifischen Nerventesten. Die Ursache der Schmerzen kann auf die Nerveneinklemmung in der unteren Halswirbelsäule zurückgeführt werden. Durch diese Problematik bedingt kamen muskuläre Verspannungen dazu, ebenso weitergeleitete Irritationen von Nerven, die bis in den Kopf reichen bzw. dort Areale versorgen. Häufig wird im Fall von Frau R. lediglich die Muskulatur behandelt, diese ist aber das sekundäre Reaktionsmittel auf die Nervenproblematik Wird diese nicht eliminiert, kann auch die Spannung nicht nachlassen.

Der CCS- Therapeut erklärt Frau R. die Ursache ihrer Schmerzen und behandelt sie mit manualtherapeutischen Methoden. Um eine Kontrollmöglichkeit des Behandlungserfolges zu haben, wird Frau R. angeleitet ein Kopfschmerztagebuch zu führen. So ist eine Überprüfung der effektiven Behandlungsmethode gewährleistet. Frau R. erkennt damit auch, wann ihre Schmerzen sich verstärken und verbessern. Nach 8 Behandlungen ist eine Reduktion der Attackenhäufigkeit um 50 % zu sehen. Ebenso ist die Schmerzintensität zurückgegangen, sodass Frau R. positiv ist bezüglich der Prognose.

Christian A. (52 Jahre, Hausarzt) erlitt ein craniocervicales Beschleunigungstrauma bei einem Autounfall. Die aufgenommenen MRT- Bilder zeigen keine Verletzungen und Auffälligkeiten. Herr A. leidet noch ein Jahr nach dem Unfall an Schwindelattacken bei schnellen Drehbewegungen, an ziehenden/ bohrenden Kopfschmerzen im oberen Nackenbereich und auf Augenhöhe beidseits wie auch klagt er über eine beeinträchtigte Konzentrationsfähigkeit. Bei schnellen Augenbewegungen und ruckartigen Kopfbewegungen verschlechtert sich die Symptomatik. Es kann vorkommen, dass Herr A. sich dermassen unsicher fühlt durch seine plötzlich, einschiessenden Schwindelattacken, dass er sich hinlegen muss oder beim Gehen Halt an einer Wand o.ä. sucht. Er stellt sich einem ihm bekannten CCS-Kopfschmerz-Therapeuten vor. In der umfangreichen Untersuchung kann der Schwindel in Positionen reproduziert werden in denen Augen- und Halswirbelsäulenbewegungen kombinierte werden wie auch beim Stand auf wackeligen, unebenen und weichen Unterlagen. Dort sind alle Sinne beansprucht und müssen exakt zusammenarbeiten können. Der CCS-Therapeut mobilisiert den zweiten Halswirbel links um die vorgefundene eingeschränkte Seitneigung nach links kombiniert mit einer Rotation nach rechts zu verbessern wie auch wird Herr A. in einer Eigenmobilisation angeleitet, die er selbstständig in seinem Alltag durchführen kann. Nach 4 einstündigen Behandlungen tritt der Schwindel nur noch bei anspruchsvolleren Herausforderungen wie Tischtennis spielen und Segeln auf. Unter Kopfschmerzen leidet Herr A. noch nach langen Arbeitstagen. Mit einem dementsprechend angepassten Programm durch den CCS- Therapeuten wird dieser Entwicklung sukzessive Rechnung getragen. Ziel ist es immer, dass die Betroffenen so weit wie mögliche ihren beruflichen Aktivitäten wie auch ihren Freizeitaktivitäten nachgehen können.

Frau Ursula T. (24 Jahre, Studentin) erleidet ein Schleudertrauma, wobei sie in ein vor ihr abbiegendes Auto frontal mit ca. 50 km/h hineinfuhr. Der Airbag öffnete sich bei dieser heftigen Kollision. Der zu Rate gezogene CCS-Schleudertrauma- Therapeut schliesst in einer ersten Untersuchungsphase Risikofaktoren wie Gefässirritationen und Verletzungen von Bändern aus. Ein MRT wird in Betracht gezogen, um Frau T. die Sicherheit zu geben, dass keine grösseren Verletzungen entstanden sind. Des Weiteren werden Symptome, Unfallmechanismen, vorhergegangen Krankheitshistorie und bestehende Beeinträchtigungen im Alltag wie auch die posttraumatische Stresssituation erfasst. Mobilitätsverlust der Halswirbelsäule, muskuläre und nervale Reaktionen wie auch die sensorisch-motorische Kontrolle und Schmerzverarbeitungsmechanismen werden in der weiteren Untersuchungsphase eingeschlossen. In der individuell abgestimmten Behandlung wird auf ein möglichst angepasstes Aktivitätslevel, Strategien im Umgang mit Ruhephasen/ Halskrause und auf möglichst wenig Schmerzstimulierung hingearbeitet. Nachdem Frau T. über die Mechanismen und weitere Vorgehensweisen  von ihrem CCS- Therapeuten aufgeklärt worden ist und eine genaue körperliche Untersuchung erfolgt ist, kann Frau T. die Problematik besser verstehen, weniger gestresst damit umgehen und fühlt sich durch den verantwortungsvollen Umgang des Therapeuten in guten Händen.